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Vorwort

Zwei mal zwei gleich vier ist Wahrheit.
Schade, dass sie leicht und leer ist.
Denn ich wollte lieber Klarheit
Über das, was voll und schwer ist.

Wilhelm Busch, aus dem Gedicht „Beruhigt“

Vorwort

Die einen finden die Logik faszinierend. Andere lehnen sie entschieden ab. Wieder andere kümmern sich nicht um die Logik. Einige leiden an der Logik, so wie sie sich heute darstellt. Viele, die beruflich lehren, haben sehr vage Vorstellungen von der Logik. Aber logisches Denken ist ihnen wichtig und selbstverständlich. Oft wird das Wort „Logik“ als Synonym für das Wort „Vernunft“ gebraucht, was man aber nicht tun sollte. In der Geistesgeschichte gibt es Strömungen, in welchen die Leistungsfähigkeit der Logik überschätzt wird, beispielsweise die Scholastik des Mittelalters, der Positivismus des Wiener Kreises, die analytische Philosophie. Manche erwarten erst das Absolute von der Logik und nach der Enttäuschung meinen sie, die Logik und das logische Denken seien wertlos. Die Logik besitzt zwar Grenzen und Schwachstellen. Aber das ändert nichts daran, dass logisches Denken von großem Nutzen ist und dass bezüglich der Logik keine brauchbaren Alternativen bekannt sind.

Die Logik, die Lehre von den logischen Strukturen, soll eine moderne und ansprechende Form erhalten. Nicht nur die Wahrheitswerte der verschiedenen Aussagen sind relevant für die Logik. Eine herausragende Bedeutung haben beispielsweise Aussagen, welche den logischen Status eines wahren universellen Gesetzes besitzen. Der Schlüssel zum Verständnis der gültigen Schlussfolgerung liegt im logischen Gehalt der betreffenden Aussagen. Im vorliegenden Lehrbuch werden auch Probleme der Logik angesprochen: der Mythos von den Schlussregeln, der Mythos vom Axiomensystem, die Frage nach dem Axiomensystem der Logik, das Dogma von der Unmöglichkeit einer Beweisführung in der Logik, die Unmöglichkeit der absoluten Gewissheit, die Unterscheidung von realer Welt und virtuellen Welten, die Grenzen der Korrespondenztheorie der Wahrheit, die Untauglichkeit der Kohärenz als Wahrheitskriterium, der Subjektivismus und der Relativismus, dogmatische Schulen, die gehaltvolle Aussage ohne Wahrheitswert,  die Unterscheidung von Plausibilität und Wahrheit, Defizite in Hinblick auf die Erkenntnistheorie, der Mythos vom induktiven Schließen, die zirkuläre Beweisführung, die Irrlehre von der materialen Implikation, die Unterscheidung von Sprachebenen. Ohne die Logik kann man ein bestimmtes fehlerhaftes System nicht überwinden. Einen besonderen Wert habe ich auf gute Beispiele gelegt. Zur besseren Lesbarkeit des Buchs befinden sich die Beweise für die Lehrsätze der Logik im Anhang 3.

Fischach, 02.05.2020

Manfred Brill